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Passagen
Scham - Schuld - Sucht \
»Süchtigkeit aller Körper«
Sucht ist eine erotische Besetzung des Todes, der Todesverfallenheit des menschlichen Körpers, ein masochistischer Genuss der Sterblichkeit, verbunden mit der Verheißung der Entschuldung.
»Süchtigkeit aller Körper«
"Das Schlagwort von der Süchtigkeit aller Körper meint keine Epochenschelte, vielmehr die Benennung eines quasi anthropologischen Elements der körperlichen Grundverfassung, nämlich - durchaus im Sinne des Freud'schen »primären Masochismus« als Philosophem - das apriorische Zuwiderhandeln des in diesen seinen Taten betrügerischen, doch lebenserhaltenden Eros gegen alle Annoncen von Thanatos: die erhebend absorptive Abdeckung der korporellen Todesverderbnis, das manische und ebenso invers manische selige Vergessen der prinzipiellen Körperdepression; das Urunternehmen der Tilgung aller Schuld der Mortalität, freilich um den Preis der Liquidierung des verfügenden Subjekts bis hin zum Finale der (Selbst-)Bewusstlosigkeit. Ohne diesen »primär-masochistischen« Genuss der Sterblichkeit, ohne die immer auch trügerisch tröstende Erosbegleitung des Verfalls, kein menschliches Leben, ohne diesen Aufschub schlösse es sogleich mit seinem Ende »triebentmischt« kurz."
Kainsmale, 57
Düsseldorf: Peras Verlag. 2008
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