Die »Urschuld« der gewussten Sterblichkeit wird phantasmatisch »transzendiert«, in göttliche Unsterblichkeit, Absolutheit, Autarkie, was eine Schuldsteigerung bedeutet.
"Die grundlegende Schulddimension macht so etwas wie die »Urschuld« aus (...). »Nachfolgende Schuldvorkommnisse« - sie laufen alle darauf hinaus, den Bann der »Urschuld«, der diese stellvertretenden basalen Traumatik, zu brechen. Und es scheint menschliches Schicksal zu sein, je nach Schweregrad der ursprünglichen Verletzungen, es mit dem Ablaß (»venia«) derselben, äußerst schulderzeugend wiederum, zu übertreiben: will sagen: das Rettungsphantasma radikaler Autonomie/Autarkie/Absolutheit, kurzum: der Unsterblichkeit, inbegrifflich den Illusionismus des Gottesbegriffs wider den Tod, gegenzuhalten, und als Instanz der Bestrafung, letztlich der Todesstrafe, seiner ebenso unvermeidlichen wie zutiefst verwerflichen Anmaßung (»Usurpation«), geltend zu machen. Da capo: das Trauma - der Sterblichkeit, der »Urschuld« - provoziert das Phantasma - der Unsterblichkeit, des, seine schuldüberfrachtende kreatürliche Anmaßung tötenden, göttlichen Vorbehalts; und dies Urphantasma unseres Gottes - selbst schon a priori anmaßender Statthalter des Todes - schirmt das Sterblichkeitstrauma, dürftig genug, in seiner (längst verdinglichten) Allmacht, ab."
Psychoanalyse der Schuld und der Schuldgefühle; in: Pathognostische Studien XII, 187f.