Der Muttermord ist der Kern der Selbstermächtigung, die Annullierung des Geborenseins, gestützt durch die Verbindung von Vater und Sohn. Sie entfaltet sich in der Erzeugung von Dingen, die die Schuld absorbieren, bis die Krankheit die in den Dingen verschlossene Schuld aufbrechen lässt.
"Nicht wird der Muttermord in der Vater-Sohn-Symbiose (der heiligen Dreifaltigkeit) verhindert, vielmehr vollstreckt - vollstreckt a fortiori im Toten, den narzißtisch erlösenden technischen Dingen. Und Krankheit bestände darin - um es nochmals zu sagen -, diesen Erlösungsschein als solchen anzueignen: Fühlbarkeits-Homosexualitäts-Inzest mit der Weibsleiche (der heiligen Dreifaltigkeit) nekrophilisch treiben zu wollen; was den unmöglichen Normalitätsstatus der Dinge, ihre Schuldabsorptivität, umwandelt in Schuldzuschreibungspotenz, Ketzergericht - Martyrium in der äußersten Sphäre mißlingenden Schuldausgleichs mit dem toten Selbstteil/toten Anderen, ultimativ weibsstigmatisiert rein internal noch lebendig."
Heinz Kohut in memoriam; in: KAUM. Halbjahresschrift für Pathognostik 1, 82
Wetzlar. Büchse der Pandora. 1984