Phobien sind unfreie Repräsentationen des Dingarkanums, das heißt Verkörperungen. In der Phobie versucht man das phobische Objekt selbst zu sein.
"Phobien re-präsentieren, wie in Krankheit immer »unfrei«, die Unbewußtheits-, Tabuvalenz der Unzugänglichkeit des nicht mehr als solchen konzedierten Dinginneren-Vorbehalts; diese bestimmte Valenz selber, deren martialer, krankheitsbezüglicher Limes die endgültige Rettung dieses Heiligkeitsgrundcharakters durch den Letztentzug der Selbstzerstörung - autonomer Dingsuizid - wäre. Aus der Ansaugung eben dieser Heiligkeitsdimension folgt nun mit aller wünschenswerten Präzision der einschlägige Befallsort der Phobie: imaginär beeinträchtigt wird die Verfügung der Motilität, das Überallhin der Bewegung, mittels einer Art von - wie sich verselbständigendem - Frühwarnsystem der Affektivität, grob gesprochen: der Angst, das die Restriktion des freien Begehens, die Markierung der verbotenen Areale, zum grotesken Nutz und Frommen des also Bornierten, des Kranken, besorgt."
Die eingesperrte Sakralität. Zum Problem des Rest-Heiligen in Psychopathie; in: Retro II, 166
Genealogica Bd. 36. Essen: Die Blaue Eule. 2006