Eros bezieht seine Energie aus dem Todestrieb, als Abwehr des Todes entstammt seine Kraft dem Abgewehrten. Es gibt also keinen Triebdualismus von Todestrieb und Eros.
"Eros wirkt ausschließlich von Gnaden des Todes, gewiss, zugleich aber gegen ihn. Eine absurde These: Das Geschöpf wendet sich, wie ödipal en gros, gegen den Schöpfer? In der Tat - so stellt sich eine Paradoxie ein: dem »Todestrieb«, in Selbstwiderspruch verfangen, die eigene Entmachtung, Selbstentmachtung, passager jedenfalls, einzuräumen, will sagen: das genuine Lebensziel Tod, den Kurzschluss der Zielerreichung (Erzeugung instantan vermittlungslos Verzehr) auszusetzen, den »Zauderrhythmus des Lebens« wiederherzustellen, Selbstaufschub, -differierung, Lebensdilation eigenantagonistisch zu besorgen. Eros, das ist die vorübergehende Selbstdementierung des Todes selbst, diese Absurdität."
Todestrieb. Programm einer Revision; in: Todesnäherungen, 37f.
Düsseldorf: Peras Verlag. 2007