Sucht entsteht wie aus dem Nichts, selten lassen sich für sie Krankheitsursachen angeben. Als wäre sie die grundsätzliche Krankheit des Menschseins selbst.
"Die nosologische Atopie der Sucht imponiert; sie ist nicht von ungefähr, denn Sucht geht über Krankheit hinwiederum indifferenzierend hinaus. Als freie Usurpation des Todes/des Gottes wie aus dem Nichts, wodurch sich dieser Ursprung umso mehr und kulminativ in seine Unmöglichkeit hinein vorbehält, hat diese Krankheitsüberbietung es ja auch an sich, die üblichen Krankheitsätiologien zunichte zu machen - man wird immer auf das skandalöse Phänomen stoßen, daß es ursächlich organologisch, familial-lebensgeschichtlich etc. fast nichts bis nichts zu recherchieren gibt; Ödipalisierung nicht irgend vorgegeben, vielmehr aus dem Boden gestampft durch diese allmächtige Lächerlichkeit der ganzen haecceitas der Droge selber. Und der exklusive Alltelosort kann nicht nicht die Konsumtion sein; als Zusammenzug aller Seinsdimensionen die Kontradiktion von Gebrauch und Gebrauchsverweigerung und immer zugleich die Aufhebung des Anderen mit, der Intersubjektivität hinwiederum als Kontradiktion fusionierter reiner Monaden; kurzum die Kontradiktion von Freiheit und Abhängigkeit."
Sucht; in: Pathognostische Studien II, 160
Genealogica Bd. 17. Essen: Die Blaue Eule. 1987