Gewalt lässt sich nicht durch Einsicht in ihre Bedingungen wegzaubern. Pathognostisch imprägnierte Intellektualität ist eine von Gewalt befallene Klage, sich austragend in ein gebrochenes Schreiben, eine blasphemisch-schamlose Aufdeckung letzter Geheimnisse.
"Intellektualität, Gnosis. Sie träumt nicht von der tödlichen Totenerweckung des Mutterleibs nach dessen Schlachtung durch dessen Verzehr in der Fühlbarkeit des Verzehrenden (freilich ebensowenig von der Normalitätsinversion desselben Vorgangs; Permanenz frommer Gedächtnisfeier für den unerweckten, einverleibten); nein, sie kommt nicht umhin, verzweifelt nicht umhin, denselben tot sein zu lassen, ganz tot, den Rest der frommen Totenehrung aber funktioniert sie um in die Externalisierungsform der Verschriftung, Tätowierung, Graffiti: Totenerweckungssurrogat als Schandschreibe auf der an je diesen Stellen untangierten Leiche. Zwischending. Versteht sich, daß dies alles schon Himmelsspeise-(Mana)-Geschichten sind, in der Travestiesprache des »Oedipus for ever« Arschmahlzeiten, wobei ja die Exkrementalität den durchgebrochensten Übergang zwischen »Körper« und dieser seiner Transfiguration (das Repräsentationswesen insgesamt) ausmacht."
Pathognostische Miniaturen I; in: KAUM. Halbjahresschrift für Pathognostik 4, 94f.
Wetzlar. Büchse der Pandora. 1987
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